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“Moore sind die stillen Klimahelden”
Article
Manuel Dillinger leitet beim NABU in Doppelspitze das Team Unternehmenskooperationen. Mit seinem Team betreut er rund 40 Unternehmenspartnerschaften und wirbt jährlich etwa zehn Millionen Euro für Natur- und Umweltschutzprojekte ein. Im Interview erklärt er, warum Moore für den Klimaschutz so wichtig sind, und welche Rolle der NABU-Klimafonds dabei spielt.
Herr Dillinger, wie würden Sie den NABU-Klimafonds jemandem erklären, der noch nichts über Moore weiß?
Moore sind die stillen Klimahelden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie trockengelegt, das galt als Fortschritt. Heute sind 95 Prozent aller Moore in Deutschland trockengelegt. Das Problem: Trockengelegte Moore sind keine Klimasenken mehr, sondern Klimaschleudern. Sie setzen den Kohlenstoff frei, der dort über Jahrtausende gespeichert wurde.
Mit dem NABU-Klimafonds konzentrieren wir uns auf die Renaturierung, also Wiedervernässung genau dieser Moore. Dabei kippen wir nicht etwa Wasser mit dem Tankwagen rauf, sondern verschließen die Gräben, die sich durch so ein Moor ziehen. Wenn es dann regnet, bleibt das Wasser in der Fläche. Und damit hören dann diese Emissionen, die durch die Trockenlegung generiert wurden, augenblicklich auf. Das ist eben das Coole. Anders als bei einem Baum, der erst nach Jahrzehnten Kohlenstoff bindet, wirkt Moorschutz sofort.
Der Klimafonds funktioniert dabei wie eine Art Projektkasse, in die fortlaufend Unternehmen etwas einzahlen können, damit wir immer Mittel auf der hohen Kante haben. Somit können wir schnell handeln: Wenn eine wichtige Fläche verfügbar wird, müssen wir das Geld sofort einsetzen können, sonst ist sie weg. Deshalb haben wir den Fonds aufgebaut.
Gibt es ein Projekt, das die Arbeit des Klimafonds besonders gut veranschaulicht?
Ja, das Ahlen-Falkenberger Moor bei Cuxhaven. Das ist für uns ein echtes Schaufenstermoor. Dort zeigen wir, wie aus einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche wieder Moor entstehen kann.
Auf der Fläche wurde früher Torf abgebaut, anschließend wurde dort rund 50 Jahre Landwirtschaft betrieben. Dort investieren wir rund neun Millionen Euro. Auf etwa 200 Hektar zeigen wir Schritt für Schritt, wie Renaturierung funktioniert. Gleichzeitig zeigt das Projekt auch, wie aufwendig Moorschutz ist. Es kostet Zeit, Geld und Geduld. Wir retten damit nicht das Klima, aber wir zeigen, wie es gehen kann.
Was motiviert Sie persönlich an diesem Projekt?
Mich beeindruckt vor allem die Größenordnung. Die REWE Group stellt dem NABU-Klimafonds von 2022 bis 2027 insgesamt 25 Millionen Euro zur Verfügung. Solange ich beim NABU bin, gab es noch nie eine solche Summe von einem Unternehmen für ein einzelnes Projekt.
Das ist eine riesige Chance, aber auch eine große Verantwortung. Wir betreten in vielen Bereichen Neuland. Wir arbeiten mit der Natur, und deshalb ist nicht alles planbar. Aber alle Modelle weisen darauf hin, dass wir mit diesen Mitteln bis 2041 insgesamt rund eine Million Tonnen CO₂ in den Böden halten können. Das macht mich stolz.
Welchen Gedanken möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?
Die Arbeit beim Nabu ist eine sehr greifbare Möglichkeit, etwas gegen die eigene Ohnmacht angesichts der Klimakrise zu tun. Wir werden den Klimawandel nicht mehr aufhalten, aber wir können dazu beitragen, dass es nicht ganz so schlimm kommt.
Wenn man etwas tut, von dem man glaubt, dass es einen Beitrag leistet, erhöht das die Lebensqualität. Man hat das Gefühl, nicht nur zuzuschauen, sondern Teil der Lösung zu sein.
Der Klimafonds selbst wird nicht aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, aber: je mehr Leute beim NABU-Mitglied sind, umso signifikanter sind wir. Dann sind wir bald eine Million Leute, die hinter uns stehen und sagen, das was die da gerade machen, das macht total Sinn. Jedes einzelne Mitglied erhöht die Glaubwürdigkeit und gibt unserer Arbeit noch mal einen weiteren Ritterschlag.
Und ich kann es immer kaum glauben, wie gut eure Arbeit funktioniert, an der Haustür, und an den Supermärkten. Ohne euch kommen wir da nicht hin.
Deswegen führe ich solche Gespräche auch sehr, sehr gern hier.
Anmerkung der Redaktion: Die hohen Kosten des Moorschutzes erklären sich insbesondere durch den teuren Flächenkauf, den Einsatz schwerer Maschinen und komplexe Baumaßnahmen bei der Wiedervernässung. Mithilfe von Baggern müssen – je nach Moor – meterhohe Torfwälle aufgeschüttet sowie unterirdische Sperren und Dämme gebaut werden, damit das Wasser nicht wieder abfließt. Teilweise ist sogar die Errichtung regulierbarer Wehre nötig, um umliegende Straßen und Dörfer vor Überflutungen zu schützen.
Weitere Infos zum NABU-Klimafonds und weiteren Moorflächen hier: https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/fuer-unternehmen/31461.html